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Lesen und Schreiben lernen mit dem Bremer Rechtschreibschatz

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Was das Erlernen der Rechtschreibung angeht, gibt es immer wieder falsche Informationen. Die Reichen-Methode, das sogenannte Schreiben nach Gehör, wird in Bremen nicht gelehrt. Entscheidend ist, dass zwar das Prinzip der alphabetischen Strategie ("Schreibe wie du sprichst") in den ersten freien Texten angewendet wird, parallel dazu aber ein Rechtschreibunterricht ab der ersten Klasse stattfindet. Es werden früh orthographische Strukturen gelegt.

Die alphabetische Strategie ist lediglich ein erster Schritt, um die Kinder zum Schreiben zu motivieren. Dieser wird von keinem der bekannten Didaktiker infrage gestellt. Auf dessen Basis wird dann an der Rechtschreibung der Grundschülerinnen und -schüler gearbeitet. Der Bremer Rechtschreibschatz gibt systematische Antworten, um eben genau das zu verhindern, was immer wieder unterstellt wird: "Die Kinder lernen nach Gehör schreiben und dann werden sie mit den Ergebnissen allein gelassen". "Das passiert genau nicht. Der Bremer Rechtschreibschatz wird seit dem Schuljahr 2015/16 angewendet und orientiert sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Andere Bundesländer – wie beispielsweise Baden-Württemberg – übernehmen mittlerweile unser System", sagt Senatorin Dr. Claudia Bogedan.

Der Bremer Rechtschreibschatz umfasst zirka 800 Wörter, die als einheitliche Grundlage und Orientierung für den Rechtschreibunterricht an Bremer Grundschulen dienen. Die Liste besteht zum einen aus Wörtern, die sehr häufig gebraucht werden (Häufigkeitswortschatz).

Infos zum Bremer Rechtschreibschatz

Zudem führt der Grundschulverband gemeinsam mit dem Ressort ein Konzept zur Rechtschreibförderung durch. In 34 dritten Klassen wurden regelmäßig mit den Kindern Rechtschreibgespräche zu schwierigen Wörtern durchgeführt. Trotz des geringen Aufwands haben sich die Rechtschreibleistungen der über 500 beteiligten Kinder weit überdurchschnittlich verbessert.

Dieses Konzept der Rechtschreibgespräche wurde von der Deutsch-Professorin Erika Brinkmann entwickelt. Trotz des geringen Aufwands (zweimal 10-15 Minuten pro Woche über ein halbes Jahr hinweg) konnten die Klassen des ersten Durchgangs einen doppelt so hohen Lerngewinn verzeichnen wie vergleichbare Klassen ohne Rechtschreibgespräche. Dies ergibt sich aus der Evaluation, die der Bildungsforscher Hans Brügelmann zu diesem Projekt durchgeführt hat. Vor allem leistungsschwache Kinder haben von den regelmäßigen Rechtschreibgesprächen profitiert. Sie haben sich genauso stark verbessert wie Kinder, die zweimal zwei Stunden pro Woche an einer kostenpflichtigen Zuatzförderung in einem besonders erfolgreichen Nachhilfeinstitut teilgenommen hatten.

Nachdem ähnliche Versuche in anderen Ländern schon mit Schulanfängern erfolgreich waren, sollen die Rechtschreibgespräche jetzt auch in zweiten Klassen erprobt werden. Außerdem soll das Konzept im Schuljahr 2019/20 in vierten und in weiteren dritten Klassen eingesetzt werden.

Infos zur Evaluation unter
https://www.pedocs.de/volltexte/2018/15827